Der Herr Luck

Wieder einmal hatte Luck viel zu tief ins Glas geguckt.

Deshalb hatte er sich soeben über dem Küchentisch ergeben.

*Rumps*… da hing die ganze Schose, lose an der Butterdose,

welche gerade, man sah es genau, in der Hand von seiner Frau.

Diese, die Elisabeth, fand das jedoch mitnichten nett.

Und so sah man sie dort sitzen, in ihren Augen sah man es blitzen:

„Kerl, Du bist ja doch wohl toll!“

Hier nun ende ich besser wohl.

Denn, was sich nun wird zutragen,

ist zu grausam, um es zu wagen,

dem geneigten Leser zuzutragen.

Armer Luck, ihm geht es jetzt an den Kragen.

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Oh Du, mein holder Sonnenstern

Oh Du, mein holder Sonnenstern,

ich möchte mit Dir schlafen gern.

(… schnarch… schnorchel… schnoooorz… was?… was?… äh… oh… ja…)

Doch vorher möchte ich Dich sehen

wie Gott Dich schuf. Hörst Du mein Flehen?

(… bitte, bitte, bitte… nu‘ komm schon…)

Ich möchte Dich heut Nacht verführen.

Wolllüstig möchte ich Dich berühren.

(… oooooohoho… lechz… giiiier… gnarharharharhar….)

Ich möcht gar Deine Titten lutschen…

(… äh… oh… uuups…)

… ich möcht gar küssen Deinen Busen,

möchte wonnig mit den Brüsten schmusen.

(… besser… viel viel besser)

Deinen duftig weichen Körper möcht‘ ich spüren.

Ich bin ganz Dein. Willst Du mich führen?

Ertasten will ich Dich mit allen Sinnen,

mit Dir ein Liebesnestchen spinnen.

(… oh, wie ich diese dreisten Spinnen hasse… huäääääh… aber egal… wenn es dem Zweck dient…)

Und endlich möcht ich in Dich dringen,

(… aber nicht mit Worten… hähähahahähihihihähohä)

Dich zum Höhepunkte bringen.

(… oooooooohjajaja… huichichichihuajaaaaaaa…)

Bis Du, mit Jauchzen und Verzücken,

(… oh… oh… oh… oh… jajajaaaaaaaaaa… uaaaaaahyyyyyyiiiiiep… oh Mann, oh Mann, ooooooooh Maaaaaaaaaaaann…)

laut umherstöhnst voll Entzücken.

(… wrooaaaaauaaaaaaaaaaaaaaaaarrrrrrrrrrruhuhu…)

Dann streichel ich Dir sanft durchs Haar…

… ach ja.

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Sonntagsfrühstück

„Und dann hat sie…blablabla.“

°Bananenfeldschmetterlinge, süß und knuffig und mit niedlichen kleinen Öhrchen, federnd leicht schwebend…°

„Aber sie macht das so gut. Die…blablabla.“

°Und wie elegant sie sich in die Luft erheben und ihr seidig glänzendes Fell in der Sonne schimmert…°

„Gestern hat sie ja wieder… blablabla.“

°Ihre ärgsten Feinde, die blutrünstigen Gelbhöckergroßkampfameisen. Wie sie mit ihren riesigen Klauen und den messerscharfen Zähnen mühsam und behäbig die winzigen Baumwollmondbäumchen hinaufklettern…°

„Und sie ist ja soooo süß und niedlich und sooo schlank und ihr Haar… blablabla.“

°Oooooh und schau doch mal dort drüben. Die niedlich süßen Zitterfußantilopen. Ist das nicht ein herrlicher Anblick!? Wie sie sich so gekonnt über die Ameisen hinwegzittern und sich dann grazil durch die Lüfte schrauben…°

„Sie hat eine wunderschön dunkle Haut. Was das für hübsche Babys… blablabla.“

°Dieses wunderschön hohe Zitronenduftgras mit den zierlich schlanken Halmen, die sich im Wind wiegen, wenn er darüber rauscht…°

„Morgen muss sie dann ihre Prüfung… blablabla.“

°Welche Marmelade nehme ich jetzt? Oder doch lieber Honig? Oh, der Kaffee ist auch aus.°

„Das wird sie ja wohl schaffen, oder?“

„Unbedingt. Denke ich schon.“

°Worum geht es überhaupt? Ach ja, wie immer. Herrlich, wie die Gedanken in andere Gefilde lenken können. Wieso ist mir das nicht schon viel früher eingefallen? Oh… da… die Schwarzfaustwollschwänze… einfach himmlisch…°

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Fortsetzung folgt…

Es begab sich nun also zu einer Zeit, da es für Menschen noch selbstverständlich war, dass es Kobolde gab. Kleine, mit überaus langen Armen, gerade bis zu den Knien reichende Wesen. Flink als wie die Wiesel, überaus klug und von überragender Auffassungsgabe. Einer von ihnen, auf den wunderschönen Namen ‚Rhungol’ hörend, war nun ein ganz besonderer liebenswerter Kobold. Zu jeder Zeit hilfsbereit und immer mit einem gar schelmischen Lächeln auf den schmalen Lippen, war er doch von allen ein gern gesehener und lebensfroher Zeitgenosse. So begab es sich denn eines schönen Tages – mag es wohl im Frühjahr gewesen sein – dass er wieder einmal seinen Fuß in das nahegelegene Dorf setzte. Nicht ahnend, dass dies sein Leben einschneidend und für alle Zeit verändern sollte.

Es muss wohl so um die Mittagszeit gewesen sein. Ein leichter Wind berührte sanft seine Haut, als er – fröhlich vor sich hinsummend – den Rand des Dorfes erreichte. Zunächst erschien ihm alles wie gewohnt. Die kleinen Behausungen lagen ruhig im Sonnenlicht vor ihm. Aber dann begann ihn etwas zu beunruhigen. Es war ihm, als sei alles zu still… viel zu still. Sofort verstummte sein fröhlicher Singsang und seine Blicke schweiften umher, die Schritte wurden langsamer und schließlich blieb er in der Mitte des Dorfes stehen.

Stille.

Nicht einmal ein Vöglein war zu hören. Ja, man hätte selbst den scharrenden Gang einer winzigen Ameise vernehmen können, wäre denn eine solche da gewesen. So stand nun der kleine Kobold da und horchte intensiv in diese Stille hinein. Und je länger er dort verweilte, desto unruhiger wanderten seine Blicke von einer Hütte zur anderen, bis plötzlich ein unheilvoller und Gänsehaut erregender Schrei diese schon unerträglich gewordene Stille unterbrach. Rhungol schreckte mit einem Mal zusammen. Sein Blick wanderte rastlos in die eine, dann in die andere Richtung.

Wieder Stille.

Schweißperlen rannen über seine Stirn. Er spürte, wie ein Unwohlsein, welches sich seiner bemächtigt hatte, nun mit einem leichten Zittern einher zu gehen schien. Er wagte es kaum, sich zu bewegen, lauschte, begann fieberhaft zu überlegen. Ein schmerzhaftes Gefühl der Angst bemächtigte sich seiner, so sehr er auch versuchte, zu widerstehen. Und der kleine Kobold spürte, dass dort irgendetwas war, etwas bedrohliches, etwas Schreckliches…etwas, von dem er sich beobachtet fühlte, das nur darauf wartete zuzuschlagen. Und je länger diese Situation anhielt, desto schneller schlug sein Herz, zitterte er mehr und mehr am ganzen Körper.

Er schloss widerwillig die Augen, versuchte seine Gedanken zu ordnen und wusste, dass es im nächsten Augenblick nur eines zu tun geben würde: FLIEHEN. Eine andere Option würde es nicht geben. ‚Flieh‘, dachte er sich… ‚flieh… jetzt… sofort‘.

Im nächsten Augenblick lief er los, so schnell ihn seine kurzen Beine tragen wollten. „Dreh Dich nicht um… laufen… immer weiter…schneller… schneller… nicht umdrehen…“ Er rannte den Weg, den er gekommen war, zurück. Nach einer Weile wähnte er sich bereits in Sicherheit. Aber dann spürte er etwas. Jemand, irgendwer, irgendetwas schien hinter ihm zu sein. Und es kam näher.

Die Angst, die gerade noch zu verfliegen schien, fand den Weg zurück in seine Gedanken. Rhungol glaubte, ein sich langsam näherndes tiefes Atmen zu vernehmen. Er spürte, wie sich seine Nackenhaare aufstellten und zwang seine Beine den Lauf zu beschleunigen, so gut es eben ging.

Er spürte den Schmerz fast nicht, denn augenblicklich wurde es dunkel um ihn herum. Als er wieder zu sich kam, war es bereits tiefe Nacht. Zunächst noch sah er alles wie hinter einem dichten Schleier. Unfähig die Gedanken zu ordnen, suchte er nach einer Erklärung dafür, was geschehen war… wo er war… und warum. Es dauerte eine ganze Weile, bis sein Kopf wieder dort war, wo er hingehörte, auf seinen Schultern. Und dann kam auch die Erinnerung zurück und mit ihr die Angst. Vorsichtig wagte er, sich umzuschauen. Das wenige fahle Licht, das in den Raum hinein drang reichte gerade aus, um zumindest einen geringfügigen Eindruck seiner Umgebung zu erahnen.

Karg und kalt war diese Zelle. Vier Wände, das nasse Stroh, auf dem er kauerte, auf der einen, eine kleine Holztüre auf der anderen Seite. Die Mauern waren klamm und hier und dort moosbedeckt. Die Decke lag in vollkommener Dunkelheit und durch das wenige Stroh spürte er den harten kalten Boden. Der kleine Kobold wünschte sich jeden Augenblick aufzuwachen aus diesem schlechten Traum. Doch war ihm bewusst, dass er mitnichten träumte. Das alles war überaus real. Sein Verstand war nicht in der Lage, das Geschehene zu ergründen. Gerade eben noch war er auf dem Weg in das von ihm so gern besuchte Dorf und dann fand er sich kurz darauf in diesem erbärmlichen, nach Schimmel und Exkrementen riechenden Loch wieder. Er schloss die Augen. Er wollte dies hier nicht, hatte nicht danach gefragt, nicht darum gebeten. Als er schließlich die Tür leicht knarren hörte, erschrak er ohne jedoch die Augen wieder zu öffnen. Rhungol war nicht bereit das zu sehen, was nun in die Zelle hineintrat. Er weigerte sich in der Hoffnung, dass das alles so schnell wie nur möglich vorbeigehen würde, was auch immer jetzt geschehen sollte.

Die letzten Sonnenstrahlen des Tages streiften bereits die Wipfel des Wäldchens unterhalb des Delph-Massivs, als die dunkle Gestalt aus dem Gehölz heraustrat und die Straße östlich in Richtung Gelder einschlug.

Sein Atem war schwer und eine Mischung aus Schnauben und Röcheln. Es waren vielleicht nur tausend Meter bis zu der kleinen Stadt, aber es kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Nachdem er die ersten Behausungen erreicht hatte, verließen ihn die letzten Kräfte und er sank in sich zusammen. Fenn, der gerade aus seinem Haus getreten war, um sich auf den Weg zum Marktplatz aufzumachen, entdeckte diesen regungslos daliegenden Fremden sofort. Nur kurz hielt er inne und überlegte, dann stürzte er vehement darauf zu. Hastig begann er mit der Untersuchung, zog die Kapuze zurück und erschrak… ein Mensch. Für einen Moment war er wie gelähmt, starrte ungläubig auf diesen Fremden. Menschen waren in diesem Teil der Welt höchst selten anzutreffen. Um es genau zu nehmen, so war es erst der Zweite, den er in seinem zugegebenermaßen langen Leben zu Gesicht bekam. Schnell jedoch überwand er seine Verwunderung ob dieses Umstandes, denn es galt zu handeln. Der Zustand des Fremden schien besorgniserregend. Nicht nur, dass Fenn kaum einen Puls ausmachen konnte, nein… der Körper, den er da vor sich liegen hatte und kaum Lebenszeichen vermeldete, war über und über mit tiefen, teils klaffenden Wunden übersät. Der zurückgeschlagene Umhang bot einen derart grausamen Anblick, dass ihm dabei speiübel wurde. Er schloss die Augen, wandte sich für einen kurzen Augenblick ab und holte tief Luft. „Wie kann irgendwer derart zugerichtet sein und dennoch leben?“

Fenn murmelte diese Worte leise vor sich hin, die Züge seines Gesichts in ungläubige Falten legend. „Hilfe“, dachte er, „ich muss sofort Hilfe holen.“ Nervös sah er sich um, stand auf, lief ein Stück die Straße entlang – unsicher, woher diese Hilfe kommen sollte – blieb stehen, legte die rechte Hand auf die Stirn, danach suchend, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen und eilte schließlich schnellen Schrittes zum Marktplatz. „Hilfe“, schrie er jetzt. „Zu Hilfe… helft mir.““

Der ganze Ort war auf den Beinen und hatte sich an diesem Abend auf dem großen Platz versammelt, um der von den Oberen seit Wochen angekündigten Versammlung und der darauf folgenden Festlichkeit zum Jahrestag der Stadt beizuwohnen. Der Bürgererste, für uns zum besseren Verständnis fürwahr vergleichbar mit einem Bürgermeister, hatte seine alljährliche Festrede beendet und schickte sich gerade an, das Podium unter tosendem Beifall der Menge zu verlassen, als Fenn, da er nicht mehr der Jüngste war, völlig außer Atem den Platz erreichte.

Mühsam kämpfte er sich durch die jubelnde Masse, stieß einen um den anderen aus dem Weg, rüttelte mal auf der rechten, dann wieder auf der linken Seite an diversen Ärmeln und Zipfeln und rief dabei wieder und wieder um Hilfe. Doch waren die einen akustisch nicht in der Lage, ihn zu verstehen und schauten ihn nur verständnislos an, noch verstanden diejenigen, die seine Worte vernahmen deren Sinn, weshalb sie ihn mit einem kopfschüttelnden Lächeln betrachteten. Endlich war er am Podium angekommen, wo sich der Bürgererste Borgen immer noch für seine ergreifende Rede feiern ließ. Fenn stürzte auf ihn zu, ihn dabei beinahe zu Boden reißend, und brüllte ihm so laut, wie er es in diesem Moment noch vermochte, ins Ohr. „Hilfe… ein Mensch… verletzt… schwer… vor meinem Haus… schnell… er stirbt…“ Borgen deutete seinen Vertrauten, die begonnen hatten, den vermeintlichen Störenfried wegzuziehen, mit allerlei Gesten an, Ruhe zu bewahren und den nach Luft jappenden Alten gewähren zu lassen. Es dauerte nicht lange, bis er die bruchstückhaften Ausführungen zu einem sinnvollen Ganzen zusammengefügt hatte. Alsbald stieg er die Stufen zum Podium hinauf und brachte sein wohlwollendes Publikum mit einer einzigen Handbewegung zum Schweigen.

Freunde… .“ Er betonte dieses Wort mit solcher Inbrunst, als ginge es darum, ein Monument für die Ewigkeit zu schaffen. Und um dies zu untermauern, legte er dazu eine entsprechend ausgedehnte Pause ein, bevor er fortfuhr. „Wir haben ein Problem. Ein Fremder ist in der Stadt und er benötigt unsere Hilfe.“ Wieder folgte Stille. Fenn, der noch immer nach Luft schnappte, konnte diese Zögerlichkeit nicht verstehen und so sprang er, seine Haare raufend, vorwärts auf das Podium. „Hilfe“, schrie er, „vor meinem Haus liegt ein Fremder, ein Mensch, und er ist sehr schwer verletzt.“ Das Wort ‚Mensch’ führte zu einem tiefen Raunen in der Menge. Aber schon im nächsten Augenblick, und noch ehe Borgen oder Fenn weitersprechen konnten, liefen sie aufgeregt los. Und dann verlief alles wie im Flug. Die ersten, die den geschundenen Körper des Fremden erreichten, hoben ihn auf, verbrachten ihn in Fenns kleines Haus und dort in die Küche. Ein Dutzend Hände wohl begannen, den auf dem Küchentisch liegenden Menschen zu untersuchen, den Umhang und die teils am Körper klebenden Fetzen seiner übrigen Kleidung zu entfernen und, noch ehe dies vollständig geschehen war, mit der Versorgung der Wunden zu beginnen. Das, was einem außenstehenden Betrachter wie ein furchtbares Gewusel erscheinen musste, war in Wirklichkeit eine höchst effiziente Art der Heilung. In weniger als fünf Minuten, nachdem sie ihn auf den Tisch gelegt hatten, waren seine Wunden gereinigt, mit einer Salbe bestrichen, mit sauberen Tuchstreifen bedeckt und er in ein frisch bezogenes Bett im Nebenzimmer gesteckt.

Zeit und Raum schienen verloren zu sein. Rhungol hatte sich fast ganz seinem ungewissen Schicksal ergeben. Er hatte kein Gefühl mehr dafür, ob er erst Tage oder gar schon Wochen in dieser Zelle, die ihm nun wie eine Gruft vorkam, zubrachte. Am Anfang hatte er sich noch gewehrt, als sie kamen und ihn aus seinem Gefängnis wegschleppten, den langen schmutzig stinkenden Flur mit den so seltsam glänzenden Lichtern entlang in einen der anderen Räume. Es war keines der Lichter, die er kannte, keine Fackeln oder Kerzen oder die öligen Lampen der Menschen; kein Flackern, sondern ein gleichmäßig heller Schein, der ihn nach der Dunkelheit seiner Zelle blinzeln ließ. Da stand ein hölzerner Stuhl in der Mitte dieses Raumes, der ansonsten, bis auf zwei Kästen, kalt und karg und noch unwirtlicher als seine ‚Gruft’ war. Der Geruch von verbranntem Fleisch, gepaart mit Schweiß und Angst, lag dort in der Luft. Sie schnallten ihn auf diesen Stuhl, während er sich so gut er konnte wand und nach jeder Seite zu treten suchte.

Alsbald wurden merkwürdige Schnüre, welche aus den metallenen Kästen herausragten, mit Klammern an seinem Körper befestigt.

Überhaupt sah er jetzt Dinge, die ihm völlig fremd und eigenartig vorkamen. Er betrachtete zum ersten Mal seine Peiniger genauer. Sie waren unförmige große Wesen, in lange dunkle Gewänder aus schwarzen Federn gehüllt. Gesichter konnte er nicht ausmachen, sie blieben verborgen, was ihm aber in seiner Situation ganz recht war. Ihre Bewegungen schienen ungelenk und eine Mischung aus ‚Dahin-schweben’ und ‚von einem Bein auf das andere schwanken’. Falls sie überhaupt Beine besaßen, was ihre Umhänge in keinem Fall verrieten. Zwei von ihnen standen an den Kästen, begannen damit, seltsam leuchtende Knöpfe zu drücken und an verschiedenen Rädchen herumzuspielen. In völliger Ungewissheit wartete der kleine Kobold darauf, was mit ihm geschehen mochte. Kurz danach verspürte er ein leichtes Kribbeln, das eher ein wohliges denn ein beängstigendes Gefühl vermittelte. Dieses Kribbeln wurde schnell stärker und nach einer Weile wurde es doch unangenehm. Während dessen schienen sie ihn genau zu beobachten, jede seiner Reaktionen, seine Bewegungen zu studieren. Dann fühlte er den Schmerz kommen. Aber so sehr er auch dagegen anzukämpfen versuchte, um keinerlei Schwäche zu zeigen, sein Schrei, aufgrund der letztendlich überwältigenden Schmerzen, konnte er schließlich nicht mehr unterdrücken.

Schnell verlor Rhungol das Bewusstsein. Seither hatte er, wie es ihm vorkam, unzählige Experimente über sich ergehen lassen müssen.

Ständig wieder holten sie ihn, brachten ihn über den endlos scheinenden Flur durch immer neue Türen in immer neue Räume. Sie knebelten ihn an Stühle, fesselten ihn auf Liegen oder an Pfähle, steckten Nadeln in Arme, Beine, Rücken, schlugen ihn mit dünnen Lederriemen, bis über seinen Körper ein einziger roter Strom floss und vielerlei andere Abscheulichkeiten mehr. Seine Gegenwehr wurde von einem zum anderen Mal schwächer und schwächer, bis ihn schlussendlich die Kraft dazu verließ und er aufgab.

Der Tod schien ihm in dieser Situation ein willkommener Begleiter zu sein. Körper und Seele waren mittlerweile derart geschunden, dass Rhungol sein Ende schon sehr nahe wähnte. So lag er da mit geöffnetem Mund, nicht bemerkend, dass ihm der Speichel aus dem Mundwinkel lief. Wieder öffnete sich die Tür. Einer der Peiniger trat herein, ergriff ihn und zog aus der Zelle heraus hinter sich her bis an das Ende. „Das war es dann wohl“, dachte er, „macht es schnell.“ Diese Tür, vor der sie sich jetzt befanden, war die einzige, durch die er noch nicht geschritten bzw. noch nicht gezogen oder getragen worden war. Der Raum dahinter zeigte sich so, wie all die anderen vorher. Mit Ausnahme der zweiten Tür, die in der gegenüberliegenden Wand einen zweiten Ausgang markierte.

Er spürte, wie er auf den Stuhl gesetzt wurde, jedoch ohne dieses Mal daran festgeschnallt zu werden. „Schnell“, dachte er, „macht… endlich.“

Dee’iin Glück’taag.“ Er hörte die Worte, verstand aber aufgrund seiner Verwirrung darüber den Sinn nicht. „Glück’taag… hee’uute.“ Eindeutig schien es aus Richtung der vor ihm stehenden Gestalt zu kommen. Nie hatte er sie sprechen hören, weder zu ihm, noch untereinander. Entweder waren sie derart aufeinander eingespielt, dass jede Kommunikation überflüssig wurde, oder… er verlor diesen Gedanken. „Duu lee’been’diig. Keeii’ne Quuaa’leen. Glück’taag. Freeii.“ Sein Herz schlug schneller. Die unbeholfene Art und Weise, mit der das Wesen sprach… schwierig, aber dennoch verständlich. „Iich heel’feen. Duu freeii.“ Es holte, während es diese Worte sprach, einen metallenen Gegenstand hervor. Ein silbernes Medaillon, auf welchem auf der sichtbaren Seite zwei Kugeln in einem Kreis zu sehen waren. Der Kobold konnte sich dunkel daran erinnern, ein derartiges Zeichen schon einmal gesehen zu haben… vor langer, langer Zeit. „Freeuund“, hörte er die Gestalt, „Freeuund iich. Duu freeii. Iich heel’feen.“ Das Medaillon wieder wegsteckend bewegte es sich auf die zweite Tür zu. „Koomm.“ Die Worte klangen freundlich und Rhungol begriff, dass es noch nicht das Ende sein sollte, zumindest nicht heute.

Augenblicklich erwachte in ihm ein neuer Lebens-funke, wenn auch zugegebenermaßen nur ein sehr kleiner. Tief durchatmend erhob er sich von dem Stuhl und schritt, noch wacklig auf den Beinen, der sich plötzlich anbahnenden Freiheit entgegen. Eine Chance, die er nicht leichtfertig vorbeiziehen lassen konnte, egal wie er sich auch fühlen mochte. Langsam trottete er seinem Befreier nach. Hinter der zweiten Tür führte ein Gang hinaus in einen kleinen Hof. Die Nacht war klar, die Luft angenehm erfrischend und so hielt er einen Moment inne, um den frischen Duft mit einem langen Atemzug in sich aufzusaugen. So schnell es eben ging überquerten sie dann den Hof und erreichten ein Tor, welches sich mit einem leichten Knarren öffnen lies. „Geeh“, hörte er seinen neuen Freund – denn als solchen betrachtete er ihn nun – sagen. Rhungol sah ihn fragend an: „Wer bist Du? Wie ist Dein Name?“ Er hatte seit einer Ewigkeit nicht mehr gesprochen und so kamen die Worte, nicht zuletzt auch aufgrund seiner schlechten körperlichen Verfassung, schwer und fast nur flüsternd über seine Lippen. „Freeii… jeetzt gee’heen.“ Der kleine Kobold lächelte verkniffen: „Danke.“ Dann schritt er hinaus in die Nacht. Sein neuer Lebenswille lies ihn Schritt für Schritt weiterlaufen und immer weiter. Ein kleines Wäldchen grenzte unmittelbar an diesen Ort des Schreckens. Stunde um Stunde stolperte er vorwärts durch die immer enger stehenden Bäume. Die Sonne hatte sich längst den Weg in einen neuen Tag gebannt, als er schließlich völlig entkräftet eine Lichtung erreichte und an dessen Rand zusammenbrach. Auf dem Boden liegend sah er, wie eine kleine Hummel beschwerlich und mit pollenbeladenen Hinterbeinen, vor seinen Augen vorüber kroch. „Na, meine Süße“, hauchte er, „Dir scheint es auch nicht gut zu gehen. Solltest Du nicht fliegen? … Ruh Dich aus… ruh Dich aus…“ Dann verlor er das Bewusstsein.

Eirik erwachte aus einem tiefen geruhsamen Schlaf. Zunächst waren seine Augen nur leicht geöffnet und er sah alles wie durch einen Schleier und auf eine gewisse Weise unwirklich. Offensichtlich lag er in einem Bett und soweit festzustellen war, bestand das Bettzeug aus weißem Leinen. Über ihm ein flackerndes Licht und gleich daneben ein schemenhaftes Gesicht, das ihn anzustarren schien. Sein Blick wanderte auf die linke Seite, auf der neben einer Tür eine Kommode stand, dann auf die rechte Seite und zu einem kleinen Fenster, dann wieder zurück an die Decke. Das Gesicht verweilte immer noch an der gleichen Stelle. Aber noch war das alles nicht tatsächlich greifbar. Und auch war er kaum in der Lage, sich zu bewegen. Er versuchte den Arm zu heben, um entweder das Licht oder aber das Gesicht zu fassen zu bekommen. Doch fiel der Arm auf halber Höhe wieder zurück. Und er fühlte sich unfähig, ihn wieder zu erheben. Er hatte das Gefühl, nicht er selbst zu sein. Seltsamerweise erschien es ihm, dass es ihn auch nicht weiter interessierte, wenigstens für den Moment. Eine unwirkliche Situation, die ihn fast zum Lachen gebracht hätte, wäre er denn dazu imstande gewesen. Das Gesicht starrte ihn unvermindert an. Er schloss die Augen und versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Das alles war unendlich weit weg. Im nächsten Augenblick, die Augen weit aufreißend, schnellte er hoch, wobei er dem über ihm befindlichen Kopf fast einen Stoß versetzt hatte, hätte Fenn nicht geistesgegenwärtig reagiert und wäre er nicht sofort zurückgewichen. Mit einem Mal erinnerte sich Eirik wieder an das, was geschehen war, an den plötzlichen Überfall auf sein Dorf, den unerbittlichen Kampf. Er erinnerte sich an alles. Sie kamen aus dem nahegelegenen Wald oberhalb, lautlos, am helllichten Tag, überraschend… schnell. Und sie waren viele, zu viele. Es begann ein hoffnungsloser Kampf um das Überleben. Noch eher er gewahr wurde, was gerade passierte, hieben ihn zwei tiefe schmerzhafte Schnitte in seine Brust zu Boden. Er war gerade noch in der Lage, dem nächsten Hieb auszuweichen und sich wieder auf die Beine zu stellen, dabei ein Stück Holz, welches am Boden lag zu ergreifen und als Wehr zu benutzen. Schon kam der nächste Angreifer auf ihn zu. Und dann schrie und lief alles, was Beine hatte, durcheinander. Ein Schlag führte zu einer klaffenden Wund an seinem linken Arm, ein weiterer ging abermals auf seine Brust nieder. Taumelnd suchte er nach irgendeiner Art Halt, fand ihn aber nicht und ging abermals zu Boden. Einer nach dem anderen, Männer, Frauen, Kinder, jeder von den 50 in dem Dorf lebenden Menschen ging nach und nach tödlich getroffen zu Boden.

Noch während Eirik dabei war wieder aufzustehen, sah er aus den Augenwinkeln eine der Gestalten, wie all die anderen in einen aus schwarzen Federn bestehenden Umhang gehüllt, mit einer wohl riesigen Axt auf sich zukommen. Er versuchte erfolglos sich gegen die unmenschlichen Schmerzen, die die ihm zugefügten Wunden mit sich brachten, mit aller Macht aufzubäumen. In diesem Moment war er dem Tode so nahe, wie niemals zuvor in seinem Leben und er war bereit gewesen, sich hier und jetzt seinem scheinbar unabdingbaren Schicksal zu ergeben. Doch dann sank der Angreifer urplötzlich tödlich getroffen in sich zusammen. Mit schmerzverzerrtem Gesicht und einem Ausdruck der Verwunderung erblickte Eirik dahinter stehend die breit grinsende Erscheinung seines alten Freundes Broewen. Im nächsten Augenblick jedoch wich das Grinsen einem überraschten Ausdruck, während gleichzeitig Broewens Brust nach einem lauten Knall auseinandergerissen wurde. „Metallspucker, sie haben Metallspucker.“ Diese Erkenntnis lies ihm einen Schauder über seinen Rücken laufen. Auch sein Freund konnte also dem sicheren Tod nicht entrinnen, zumindest nicht, wenn sie solche Waffen einsetzten, ganz zu schweigen von der Übermacht.

Mit großen Mühen gelang es ihm endlich wieder auf die Beine zu kommen und er bewegte sich, wenn auch aufgrund der immensen Verletzungen langsam und schwerfällig, ohne weiter nachzudenken, auf den Teil des Waldes zu, der unterhalb des Dorfes lag. So gelang es ihm, dem Gemetzel zu entkommen.

Sie sind tot… alle… alle tot.“ Eiriks Stimme klang niedergeschlagen und Tränen flossen ihm ob der Erinnerung über das Gesicht. Fenn schaute ihn fragend an. „Wer? Wer ist tot?“ Noch bevor Eirik antworten konnte, sank sein Oberkörper zurück auf das Kopfkissen und er verlor das Bewusstsein.

Als er Stunden später wieder zu sich kam, trat Borgen, der inzwischen von Fenn über den neuesten Stand informiert worden war, an sein Krankenlager. „Nun gut“, begann Borgen das Wort an Eirik zu richten, „ich bin immer noch überrascht, das Ihr es überlebt habt, mein Herr, aber…“ und hier machte er eine seiner bedeutungsvollen Pausen und lächelte dabei zufrieden, „aber nichtsdestotrotz bin ich darüber hocherfreut. Wie fühlt Ihr Euch?“

Durstig.“ Eirik fuhr mit der Zunge über seine trockenen Lippen. „Ich fühle mich durstig.“ Fenn betrachtete ihn stirnrunzelnd. „Durstig!?“ „Natürlich“, entgegnete Borgen, „aber natürlich“, fügte er dann mit einem leichten Lächeln hinzu. „Etwas zu trinken… emh… schnell Fenn… ein Glas Wasser.“ Er fuchtelte dabei mit der Hand in Fenns Richtung, ohne jedoch den Blick von Eirik zu nehmen. „Wir haben ihn doch nicht vor dem Tode bewahrt, um ihn dann in aller Seelenruhe verdursten zu lassen.“ Fenn eilte sofort in die Küche und kehrte kurz darauf mit einem Glas Wasser in der einen und einem vollen Krug in der anderen Hand zurück. Und fast wäre er über die Schwelle der Tür gestolpert und hätte beides fallen lassen, doch konnte er das gerade noch verhindern.

Eirik richtete sich umständlich auf, da er sich noch etwas schwach fühlte, leerte dann das Glas in einem Zug, dann ein zweites und ein drittes. Wäre es möglich gewesen, einen ganzen See in dieses Glas zu füllen, so hätte er es, ohne einmal abzusetzen, sicherlich auch geleert und seinen prallen Wasserbauch mit Freuden und einem langen ausgedehnten „Jaaaaah“ zur Schau gestellt. Aber aufgrund seiner Schwäche sank er wieder in die Kissen.

Wie lange bin ich schon hier?“ „Nun“, entgegnete Borgen, „es mögen wohl an die zwanzig Tage sein. Dabei glaubte ich, Ihr würdet keine zwei Tage überstehen. Zum Glück habe ich mich da aber geirrt. Und ich möchte hinzufügen, dass ich mich äußerst selten irre.“ Bei diesen Worten strich er sich vergnüglich über seinen Bart. Eine der Gesten, die er, so schien es, fast schon zelebrierte. Nicht nur, dass er als Bürgererster natürlich eine wichtige Persönlichkeit in Gelder war. Nein… er hielt sich auch für den wichtigsten Bewohner dieser kleinen Stadt, wenn nicht gar für das allerwichtigste Lebewesen auf der Welt.

Das schlimmste, so denke ich, habt Ihr überstanden. In ein paar Tagen werdet Ihr wieder fast der Alte sein. Aber… wir sollten morgen weiter reden. Es ist schon spät und ich verpasse ungern das abendliche Mahl. Nun denn, Fenn wird Euch noch etwas zu Essen bringen.“ „Natürlich“, fügte Fenn hinzu und nickte einvernehmlich.

Das ‚abendliche Mahl’ war, ebenso wie das ‚morgendliche Mahl’, eine Tradition in Gelder. Beide Mahlzeiten nahmen die Bewohner gemeinsam auf dem Marktplatz ein. Es war eine der großartigen Ideen des Bürgerersten Borgen, welche er vor vielen Jahren eingeführt hatte. Er war der Meinung gewesen, dies würde das Gemeinwohl aller stärken. Zumindest lautete so der offizielle Grund, den er hierfür anführte. Er liebte es, bei jeder sich bietenden Gelegenheit, im Mittelpunkt zu stehen. Und hier bot sich eine ausnehmend gute Möglichkeit. Jeden Morgen und jeden Abend stand er auf seinem Podest und läutete mit einer eigens für diesen Zweck – oder besser gesagt eigens für ihn – angefertigten Glocke die Mahlzeiten ein. Nur um dann, wenn alle in diversen Gesprächen miteinander vertieft dasaßen und ihr Essen genossen, nach Hause zu gehen und dort, in seinem Arbeitszimmer sitzend, das Mahl genüsslich alleine in aller Stille zu verzehren. Genau so, wie er es am liebsten hatte.

Der nächste Morgen begann mit einem leicht nieselnden Regen, der den ganzen Tag anhalten sollte. Eirik lag schon eine ganze Weile wach, bevor er sich schließlich doch dazu durchringen konnte aufzustehen. Wie zu erwarten war, erwies sich das nach den vielen Tagen, die er sozusagen ans Bett gefesselt war, als äußerst schwierig. Seine Beine fühlten sich an wie zwei schwammige Stelzen und obwohl seine Wunden erstaunlicherweise schon sehr gut ausgeheilt schienen, schmerzten sie dennoch, wenn es auch auszuhalten war. Er benötigte fast den ganzen Vormittag, um wenigstens einigermaßen sicher zu stehen. Auf der Kommode lagen, fein säuberlich zusammengelegt, ein paar Anziehsachen. Unweigerlich wurde ihm klar, dass Fenn sie für ihn dorthin gelegt haben musste. Fenn… wo war er eigentlich? Den ganzen Morgen hatte ihn Eirik noch nicht zu Gesicht bekommen. Auf der anderen Seite gab es jetzt Wichtigeres, als sich darüber Gedanken zu machen und irgendwo würde er schließlich schon sein. Das Nachthemd, welches Eirik trug und ihn dunkel an seine Kindheit erinnerte, denn damals hatte er zuletzt eines getragen, konnte nur mit einem letzten verzweifelten Akt über den Kopf gezogen werden und zwang ihn, sich auf dem Rand des Bettes zu setzen und sich einen Augenblick auszuruhen.

Die Sachen von der Kommode passten wie angegossen und waren mit Sicherheit für ihn gemacht, dessen gab es keinen Zweifel. Wollene Unterwäsche, ein leinenes Hemd, Hose und Jacke aus Leder, ein paar Schuhe, ein Umhang. Ohne sich großartig umzuschauen, verließ er das Zimmer und gelangte über die kleine spartanisch eingerichtete Küche auf einen engen Flur, von wo er alsbald aus dem Haus trat und unmittelbar darauf auf der Strasse stand, den Blick auf die Stadt gerichtet. „Was zur Hölle…“  Eirik stand da und starrte auf das, was sich seinen Augen dort bot. Hätte er in die Zukunft sehen können und auf das, was er noch alles zu sehen bekommen sollte, so hätte ihn dieser Anblick wohl eher nicht derart verwundern können.

Und so stand er nun also da und betrachtete Gelder im nieselnden Regen. Er konnte sich nicht erinnern, so etwas je schon einmal gesehen zu haben. Die sandige Strasse führte, so weit er sehen konnte, ein ganzes Stück schnurgerade aus, bis sie schließlich weit hinten rechts abzubiegen schien. Als solches nicht gerade ungewöhnlich. Rechts und links aneinander gereiht die Grundstücke mit ihren Gebäuden und den mit kleinen Zäunen umgebenen Vorgärten. Aber schon die Farbenpracht in den Gärten war schier überwältigend. Es blühte, wohin das Auge auch schaute, in allen möglichen Farben und Schattierungen. Rot, gelb, orange, lila, braun, blau, rosa, schwarz, weiß und mehr. Es leuchtete geradezu derart, dass Eirik sich die Augen reiben musste und sich fragte, ob er sich in einem Traumland befand oder es tatsächlich die Realität war. Da gab es Rosen, Tulpen, Nelken, Hyazinthen, Hortensienbüsche, Holundersträucher, Flieder und alle möglichen Bäume wie Eichen, Buchen, Kastanien, Kirschen und andere Pflanzen, die er hier und jetzt zum ersten Mal sah. Alles wuchs wild durcheinander und doch schien in diesem Chaos eine gewisse Ordnung zu herrschen. Die Kronen der alles überragenden Bäume bewegten sich hin und her und doch war es mitnichten windig, wie man daraus hätte schließen können. Fast hätte man zu der Ansicht gelangen können, sie würden sich miteinander unterhalten. Seine lange Reise hinaus aus der Stadt seiner Kindheit, Mokkor, bis hin zu der kleinen Menschensiedlung, in der er sich zuletzt aufgehalten hatte und die für ihn fast ein heimischer Ort geworden war, hatte ihm schon viel Neues beschert. Aber diese Stadt war einzig in ihrer Art.

Die Gebäude boten einen weiteren erstaunlichen Anblick. Allein Fenns Haus stach aus allen anderen hervor. Es war schlicht, die Wände relativ gerade mit einem weißen Anstrich, eine Eingangstür, zwei Fenster, ein Dach, ein oberes Stockwerk, welches über eine Treppe auf der rechten Seite zu erreichen war. Die Räume waren von außen nicht einsehbar und blieben hinter dichten Gardinen verborgen. Alle anderen Häuser waren von diesem vollkommen verschieden. Keine geraden Mauern, die Eingangstüren mal oval, mal rund, mal in undefinierbaren Formen. Zusammengezimmert und irgendwie in die Außenwände eingelassen. Auch die Fenster waren schief und krumm und nicht alle auf der gleichen Ebene.. Zwei Stockwerke, drei, vier, die sich in die Höhe zu schrauben schienen. Eirik fragte sich, wie einige der oberen Etagen überhaupt Halt finden mochten, da nicht zu erkennen war, ob sie überhaupt mit den darunter liegenden verbunden waren. Zum Teil hatte es den Anschein, als würden die Häuser nach oben hin zusammenwachsen, was er feststellte, nachdem er langsam, geschwächt von den vielen Verletzungen, begann, die Strasse entlangzugehen. Als links eine kleine Gasse hineinlief, folgte er ihrem Verlauf. Nach kurzer Zeit hörte der Regen auf. Aber nicht, weil es nicht mehr regnete, sondern weil die Gebäude oben so dicht zusammenstanden, dass der Regen keine Chance hatte, den Boden zu berühren. Es war Mittagszeit. Die mittägliche Mahlzeit wurde nicht gemeinsam auf dem Marktplatz eingenommen, sondern zu hause in gemütlicher, familiärer Umgebung. Eirik schaute hinauf und sah plötzlich eine Hand, welche einen Krug hielt, aus einem Fenster herausragen. „Noch etwas Wein?“ „Ja, danke“, kam es von der anderen Seite und auch hier erschien eine Hand, um den Krug in Empfang zu nehmen. Gleich darauf erschien sie wieder mit einem Teller und der Frage: „Noch gebackene Kartoffeln?“ „Nein, danke. Keine Kartoffeln mehr.“ Worauf die Hand wieder verschwand. Sein Gesicht verzog sich zu einem ungläubigen Grinsen. Nach wenigen Metern kam er an das Ende der Gasse und auch nicht weiter, so das er wieder umkehren musste. Der Hauptstraße folgend und sich weiter umsehend, erreichte er schließlich den großen Marktplatz, der jetzt still und verlassen dalag. Er hielt einen Moment inne. Hier gab es nichts Außergewöhnliches. Jedenfalls nichts außergewöhnlicher, als den ganzen Weg hierher. Dann erblickte er ein Gebäude, das wiederum so ganz anders war. Eines hatten alle Häuser gemeinsam, wenn es denn auch das Einzige sein sollte. Sie alle hatten einen weißen Anstrich. Doch nicht dieses. Es war schwarz. Und es bestand fast nur aus einem Dach, welches bis auf den Erdboden reichte, bzw. auf der einen Seite in den Boden hineinwuchs. Das Haus war gerade gebaut und doch sah es so aus, als wäre es vollständig auf die eine Seite gekippt. Eirik setzte seinen Weg fort und ging instinktiv geradewegs darauf zu. Der Eingang war mittig in das Dach eingelassen und wurde von zwei großen Eichen eingerahmt. Und auch hier hatte er das Gefühl, dass beide miteinander kommunizieren. Noch ehe er ansetzen konnte zu klopfen, wurde die schwere vor ihm liegende Tür geöffnet.

Kommt herein, mein Herr. Kommt nur.“ begann Borgen, „Schön, Euch auf den Beinen zu sehen. Kommt herein und leistet mir ein wenig Gesellschaft. Ihr seid doch sicherlich hungrig? Der gute Fenn ist auch gerade eingetroffen. Dabei sollte er doch eigentlich bei Euch sein. Er ist halt manchmal…“ Bei diesen Worten räusperte er sich mit einem verschmitzten Lächeln. „… ein wenig vergesslich und durcheinander. Ein richtiger Tagträumer. Aber… eine gute Seele.“ Eirik entledigte sich seines Umhangs und folgte Borgen über einen langen schmucklosen Flur in dessen Arbeitszimmer. Hier saß bereits Fenn an einem überreichlich gedeckten Tisch und sprang sofort auf, als er Eirik erblickte. „Ohhhh, verzeiht mir, mein Herr. Habe ich Euch doch glatt vergessen. Verzeiht mir bitte.“ Dabei schmunzelte er leicht verlegen.

Ja, schon gut“, bemerkte Borgen mit einer abwehrenden Handbewegung. „Wir sollten uns nun erst einmal setzen und dieses wundervolle Mahl genießen, bevor es kalt wird.“ Es gab Hirschragout mit gebackenen Kartoffeln und einer Kräutersoße, Grützpudding, der wahrscheinlich eben so scheußlich schmeckte, wie er aussah und besser nicht näher beschrieben werden sollte und Wein. Jede Menge Wein.

Während des Mahls erschienen nacheinander der Bürgerzweite Laden und der Bürgerdritte Einod. Mit einer kurzen Begrüßung setzten sie sich an den Tisch und aßen ohne zu fragen mit den anderen mit. Eiriks Hunger war verständlicherweise riesig und doch hielt er sich etwas zurück, auch was den Wein anging. Ein Glas, an dem er gelegentlich zu nippen gedachte. Mehr nicht. Geredet wurde wenig, genaugenommen gar nicht. Jeder der fünf aß und trank still vor sich hin. Gelegentlich wurde gelächelt, gerülpst, geschnalzt, ein gedankenloses „Hach“ war zu vernehmen.

Nach Beendigung des Essens deutete Borgen daraufhin an einem Tisch in der Ecke am Fenster Platz zu nehmen. Der war, das entsprach somit Borgens Wesen, relativ groß. Ein Schreibtisch, auf dem es mehr als nur aufgeräumt aussah, ein Tisch, eben dieser, auf dem jetzt noch die Reste der Mahlzeit standen, ein zweiter Tisch, an dem jetzt alle saßen auf mehr oder weniger bequemen Ledersesseln, ein paar Stühle, eine blumenlose Vase gleich am Fenster neben dem Schreibtisch und ein riesiges Regal mit allerlei alten Büchern und Schriften neben der Zimmertür.

Nun“, begann Borgen, der Eirik schräg gegenüber saß, das Gespräch, „ich bin hoch erfreut, dass Eure Genesung so gut vorangekommen ist, mein Herr. Wenn es Euch nichts ausmacht, würde ich gerne ein paar Fragen stellen. Aber lasst mich, der Höflichkeit halber, zunächst die Anwesenden vorstellen. Fenn kennt Ihr ja schon. Die beiden anderen sind meine Vertrauten Larden und Einod. Gleichzeitig sind sie meine Nachfolger, sollte ich dereinst den Posten des Bürgerersten, aus welchem Grund auch immer, einmal abgeben oder gezwungenermaßen abgeben müssen.“ Den letzten Satz sagte er mit einem beiläufigen Ausdruck der Nebensächlichkeit, da er nicht davon ausging, dass dies jemals geschehen könne.

Die beiden genannten verbeugten sich mit einem lächelnden „Freut mich“ und „Freut mich ebenfalls“. Eirik erwiderte die Geste. „Ich glaube, ich habe mich auch noch nicht vorgestellt. Ich bin Eirik von Mokkor.“

Oho“, rief Borgen aus, „’von Mokkor’. Ihr Menschen seid wahrhaft lustig. Wir haben einen Namen und ihr gleich zwei oder gar drei oder… wie auch immer, es sind eindeutig zu viele. Wer soll sich denn das alles merken?“ Er grinste dabei.

Mokkor? So wie die mächtige Stadt der Menschen? Kommt Ihr von dort? Seid Ihr aus Mokkor? Ist sie wirklich so riesig, wie ich gehört habe?“ Fenn konnte seiner Wissbegier kaum Einhalt gebieten.

Ja, als Kind lebte ich mit meinen Eltern und meinem kleinen Bruder dort. Aber… ich kann mich kaum noch daran erinnern. Ich war noch sehr klein, als wir die Stadt verließen, da meine Eltern ein Stück Land erworben hatten. Nachdem sie verstorben waren, hat mein Bruder das Land weiter bestellt. Ich fürchte, dass ich mich nicht gut als Bauer mache. So bin ich halt herumgezogen. Ich halte mich nie lange an einem Ort auf. Und über die Stadt… da fürchte ich, kann ich wohl kaum etwas sagen.“ Seine Worte klangen etwas holprig und waren auch nicht ganz die Wahrheit. Aber sie waren genug Wahrheit für den Moment.

Eirik bemerkte, dass er langsam müde wurde. Vielleicht hatte er sich für diesen ersten Tag doch ein wenig viel vorgenommen. Dennoch blieb er sitzen und erwähnte diese Tatsache mit keinem Wort, denn auch er war neugierig und hatte Fragen. Und seine Neugier wollte jetzt befriedigt werden. Zudem hoffte er, auf diese Weise weiteren Fragen nach seiner Vergangenheit entgehen zu können. Er hasste es, lügen zu müssen und schon gar nicht wollte er seine Lebensretter belügen. Zu diesem Zeitpunkt aber sah er keine andere Möglichkeit.

Wenn ich zunächst eine Frage stellen dürfte? Wer seid Ihr?“ wollte Eirik wissen. „Ich meine, Ihr seid keine Menschen. Auch wenn Ihr ganz ähnlich ausseht.“

Wir sind natürlich Faiger“, erwiderte Fenn verblüfft, als wäre diese Frage unnötig und hätte eigentlich keinerlei Antwort verdient.

Feiger als was?“ fragte Eirik, der die Verwunderung nicht wahrnahm, auch weil er aufgrund der stärker werdenden Müdigkeit den Worten nicht ganz folgen konnte.

Hach.“ Fenn brachte diesen Ausruf mit einem verschmitzten Lächeln hervor. „Hach, das hat der andere auch gefragt.“

Nein, mein Herr, wir sind nicht feiger, sondern Faiger. Wir sind Faiger. Ihr seid ein Mensch und wir sind F-a-i-g-e-r.“ Damit brachte sich nun auch Larden in das Gespräch mit ein.

Im Grunde genommen waren die Faiger den Menschen sehr ähnlich. Fast genauso groß und in der Regel mehr oder weniger leicht untersetzt, meist aber mehr, mit einer hellen Haut, die fast schon schneeweiß war. Darüber hinaus trugen alle Faiger Bärte und zwar ausnahmslos. Das bedeutet, dass ebenso die Frauen Bärte trugen, wenn auch nur einen kleinen unterhalb des Kinns. Im Gegensatz dazu war Eirik hager. Dunkle, an manchen Stellen graumelierte Haare, ein von der Zeit mit seinen vielen Erlebnissen gezeichnetes Gesicht mit tief liegenden Augen, die schon vieles gesehen hatten. Und dennoch lag da eine Offenheit und Lebendigkeit in ihnen, dass sie gerade nur so voll Lebenslust strotzten.

Das hat der andere Mensch auch gesagt“ feixte Fenn erneut.

Ihr habt diesen anderen Menschen schon einmal erwähnt. Wer ist er? Ist er hier in Eurer Stadt?“

Nun, in der Tat. Ja, er ist hier. Nicht direkt in Gelder, denn er zieht es vor, etwas außerhalb auf einer kleinen Anhöhe gleich hinter der Stadt, zu leben. Er ist etwas eigenbrötlerisch. Freundlich zwar, aber eben…“ Borgen suchte nach dem passenden Ausdruck, fand aber nichts, was ihn zutreffender hätte beschreiben können. „… eigenbrötlerisch eben. Sein Name ist Magnus. Magnus Irgendwas. Ich werde mir das mit diesen vielen Namen nun wirklich nicht merken können. Er erledigt für uns die Schmiedearbeiten. Und ich muss unumwunden zugeben, dass er sein Werk gar vortrefflich beherrscht. Der beste Schmied, den ich jemals die Ehre hatte, kennen lernen zu dürfen.“ Er sagte dies voller Stolz und Achtung. „Ihr werdet noch Gelegenheit finden, ihn zu treffen.“

Woher kommt Ihr?“ Dies war die wohl brennendste Frage, die Larden schon den ganzen Mittag über hatte stellen wollen und auf deren Antwort er gespannt war. Denn wie weit konnte dieser Fremde mit seinen immensen Verletzungen schon gekommen sein?

Ich habe eine ganze Weile in einem kleinen Dorf gelebt, wenn man die Ansammlung von ein paar einfachen Behausungen so nennen will, mit einigen anderen zusammen.“ Mit den Worten kam auch die Erinnerung an das Geschehene und er hatte Mühe, die Tränen zurückzuhalten.

Fenn überlegte, dann platzte es aus ihm heraus, noch bevor Borgen, der anscheinend den gleichen Gedanken zu haben schien, Gelegenheit fand, danach zu fragen. „Ein Dorf? Welches Dorf? Wo soll das sein? Ich kenne die Gegend hier sehr gut. Ich wandere gern ein wenig umher, denn es gibt für mich immer wieder etwas zu entdecken. Und glaubt mir, mein Herr, wenn ich Euch sage, dass ich schon sehr viel herumgewandert bin. Zugegeben habe ich mich dabei auch hin und wieder ein wenig verlaufen.

Einod fiel ihm sofort ins Wort. „ ‚Ein wenig’ ist gut. Oft, sehr oft sogar, mussten wir nach Euch suchen, mein Herr Fenn. Oft genug. Allein hättet Ihr den Weg nicht zurückgefunden.“

Na gut, ich gebe es zu. Ja vermutlich. Aber das ist jetzt nicht der Punkt. Ich meine, wo soll denn dieses Dorf sein? Ich hätte doch irgendwann einmal darauf stoßen müssen, wenn ich mal wieder tagelang unterwegs war. Und mit den Verletzungen…“ Fenn schaute Eirik ungläubig an.

Das Dorf liegt auf der anderen Seite des Berges.“

Natürlich“, wandte Einod, der die ganze Zeit Eirik mit einem gewissen Argwohn betrachtete, schnippisch ein, denn er war sich nicht sicher, was er von diesem Fremden halten sollte. Er hielt ihn für einen Strauchdieb, der nun halt einmal an die Falschen geraten war und für all seine Missetaten hatte büßen müssen. „Auf der anderen Seite des Massivs also!?“, fuhr er mit einem Ausdruck des Misstrauens fort. „Und wie wollt Ihr auf diese Seite gekommen sein? Und wie vor allem mit all diesen Verletzungen? Der Berg verläuft, so weit man sehen kann, von Ost nach West. Und erzählt mir nicht, Ihr wäret hinübergeklettert. Das ist schon im gesunden Zustand eine schier unglaubliche Leistung, wenn überhaupt möglich.“

Das stimmt.“, bemerkte Fenn, „Auch ich halte das für wenig wahrscheinlich.“

Der Einwand war berechtigt, denn das Delph-Massiv lag dort wie eine riesige Mauer, seltsam aus dem Boden ragend, als hätte irgendwer mit enormer Kraft das Gestein in die Erde gerammt. Es stand da, mit seinen teils glatten, teils zerklüfteten Hängen und schien bei genauerer Betrachtung sogar ein wenig bedrohlich, in jedem Fall aber unüberwindlich.

Nein, ich bin nicht darüber geklettert und habe mich auch nicht darunter durch gegraben. Schon gar nicht bin ich um den Berg herumgelaufen. Dazu wäre ich nicht in der Verfassung gewesen.“

Allein Borgen wusste, was jetzt kommen würde, entschied sich aber dafür, Eirik nicht zu unterbrechen. Wahrscheinlich hätte das auch keinen Sinn gemacht, denn die drei anderen waren viel zu sehr daran interessiert zu erfahren, wie er es geschafft hatte, das Hindernis zu überwinden.

Ich erinnere mich teilweise nur vage“, fuhr Eirik fort. „Da gab es eine Höhle, in die ich mich flüchtete. Ich bin immer tiefer hineingelaufen in der Hoffnung, dass sie mir nicht folgen würden. Eigentlich ja ganz schön dumm, denn es war ja klar, dass ich Hilfe nötig hatte. Und dann war da irgendein Licht und ich bin darauf zugelaufen.“ Er versuchte sich krampfhaft zu erinnern, während sie begierig seinen Worten folgten. „Schließlich stand ich vor dem Ausgang und fragte mich im ersten Moment, ob ich vielleicht – aus welchen Gründen auch immer – wieder zurückgelaufen war. Trotzdem lief ich weiter in den Wald und kam dann an die Strasse und hierher. Erst auf der Strasse war ich mir sicher, dass ich nicht umgekehrt und nicht wieder im Dorf gelandet war. Die Stadt schien mir die Rettung, da war es mir egal, ob die Bewohner mir freundlich oder eher feindlich gesinnt begegnen würden, denn viel länger hätte ich wohl nicht mehr durchgehalten.“

Der dunkle Wald“, warf Fenn erstaunt ein. „Ihr kamt durch den dunklen Wald. Also gibt es dort einen Durchgang auf die andere Seite des Berges.“ Er hielt inne, um nachzudenken und fuhr dann fort. „Wir gehen niemals dort hinein. Schon seit Generationen nicht. Aber fragt mich nicht nach dem ‚Warum’. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob es überhaupt jemals einen vernünftigen Grund dafür gegeben hat. Von klein auf lernen wir, dass es gefährlich ist, sich dort hineinzubegeben. Hm…“

Borgen hätte jetzt ebenso überrascht tun können, doch war ihm bewusst, dieses Geheimnis, welches kein besonders Großes war, wäre eines Tages ohnehin aufgedeckt worden. Selbst er hatte keine Erklärung dafür, warum ihre Vorfahren, die einst diese Stadt gründeten, nicht wollten, dass der Weg durch den Berg bekannt werden würde. Vielleicht eine der vielen übertriebenen Vorsichtsmaßnahmen, die mit der Zeit Einzug in das Leben der Faiger hielt.

Larden lag eine Frage auf der Zunge, die ihn mehr interessierte als Mokkor oder den Durchgang durch das Bergmassiv. „Was ich gerne wissen würde und das mehr als andere, wer hat Euch so zugerichtet?“

Diese Wesen hatte ich vorher noch nicht gesehen, nur von ihnen gehört. Und ich hätte nie daran gedacht, ihnen jemals zu begegnen.“ Eirik saß da, den traurigen Blick auf den Boden gerichtet. „Der Überfall kam ganz plötzlich… ohne Vorwarnung… und es waren viele. Wir hatten keine Chance. Absolut keine. Ich musste mit ansehen, wie einer nach dem anderen sein Leben ließ. Flucht war die einzige Möglichkeit. Es waren… man nennt sie wohl ‚Hirnsucher’.“

Fenn grinste, als er diesen Namen hörte und Larden und Einod stimmten mit ein. „Hirnsucher… sososo… Hirnsucher. Welch köstlicher Name.“

Einzig der Bürgererste saß mit versteinerter Mine da. Ihm war wahrhaftig nicht zum Lachen zumute, denn das, was er da soeben mit anhören musste, hatte er wohl am wenigsten erwartet.

Nun gut.“, sagte er mit einer gerade aufkommenden inneren Unruhe, die er so gut wie möglich suchte, zu verbergen. „Ihr seht müde aus, mein Herr. Vielleicht solltet Ihr Euch an Eurem ersten Tag nicht zu sehr überanstrengen. Wir werden sicherlich noch genug Gelegenheit haben, miteinander zu plaudern.“

Eirik sah ein, dass Borgen wohl Recht damit hatte. In Begleitung Fenns und nachdem sich alle höflich voneinander verabschiedet hatten, machte er sich auf den Weg und schlief alsbald, kaum da er in seinem Bett lag, ein.

Es war schon spät in der Nacht und Gelder schlummerte in tiefem Schlaf. Eirik schreckte auf, als eine Gestalt, die auf seiner Bettkante saß, ihn weckte und sofort versuchte er nach irgendetwas Brauchbarem zu greifen, das sich zur Verteidigung eignen würde.

Ganz ruhig. Kein Grund zur Panik.“, hörte eine sanfte dunkle Stimme sagen. „Ich bin bestimmt nicht hier, um Dir Schaden zuzufügen. Dafür hätte ich Dich nicht erst wecken müssen.“

Nur langsam begriff Eirik, dass die scheinbare Bedrohung, durch die im fahlen Mondlicht nur schwer erkennbare Gestalt, keine Gefahr darstellte. Er war noch dabei, seine Gedanken zu ordnen, als Borgen, mit einer kleinen Laterne in der Hand, vorsichtig durch die Tür schlüpfte.

Verzeiht unser Eindringen zu dieser späten Stunde, mein Herr, doch es gibt da etwas, das von größter Wichtigkeit ist.“ Er sagte dies, während er die Laterne auf die Kommode stellte, ohne Eirik dabei anzuschauen und, so hatte es den Anschein, eher beiläufig, als wäre dies hier eine kurze Visite, um sich nach dem Befinden des Patienten zu erkundigen und seine Fortschritte in Bezug auf die Genesung zu überprüfen. Doch zu dieser nächtlichen Stunde konnte das wohl kaum der Grund sein.

Wenn ihr mitten in der Nacht hier hereinschleicht wie zwei Diebe, dann muss es etwas Bedeutendes sein“, gähnte Eirik, „etwas enorm Bedeutendes, da es nicht einmal bis morgen Zeit hat.“

Nun, das ist es.“, entgegnete ihm die Gestalt auf dem Bettrand, die sich jetzt im Glanz des Laternenlichts als Mensch zu erkennen gab. „Entschuldige bitte meine Unhöflichkeit. Borgen hat Dir ja schon von mir erzählt.“ Damit streckte Magnus Eirik die Hand als freundschaftliche Geste entgegen.

Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob das eine so gute Idee ist“, warf Borgen besorgt ein. „Mir ist die Dringlichkeit bewusst, aber… was wissen wir denn schon über ihn? Können wir ihm trauen?“

Ich fürchte, wir haben in dieser Lage nicht viele Möglichkeiten, mein Freund. Vertrauen hin oder her. Du sagtest selbst, dass Du hier nicht weg kannst und damit hast Du wohl Recht. Auf Larden kannst Du nicht verzichten. Einod…“ hier machte er eine nachdenkliche Pause, „…nun ja. Wer kommt sonst in Frage? Fenn? Ein lieber Kerl, aber er würde sich nur verlaufen. Sollte er es wider Erwarten schaffen, dann hat er, dort angekommen, bestimmt vergessen, weswegen er die Reise angetreten hat. Außerdem ist er zu alt. Und ich? Ich bin ebenfalls zu alt und zu müde für den langen Weg. Mach einen Vorschlag, wenn Dir etwas Besseres einfallen sollte.“

Du hast ja Recht, mein Freund“, erwiderte Borgen mit leicht resignierender Stimme und einem vielsagenden Stirnrunzeln.

Eirik konnte der Konversation nur mühsam folgen. Viel Sinn ergab das Ganze nicht, obgleich ihm bewusst war, dass es anscheinend um ihn gehen musste.

Also waren es Hirnsucher, die Dein Dorf überfallen haben?“, wandte sich jetzt Magnus an ihn. „Bist Du vorher schon einmal welchen begegnet?“

Nein. Nie. Ich kannte sie bis dahin nur aus irgendwelchen überschwänglichen Geschichten, die man sich am Lagerfeuer erzählt, zur Unterhaltung, um die Zeit angenehmer zu gestalten. Oder um kleine Kinder mit diesen Horrorgeschichten zu erschrecken. Und genau dafür hatte ich sie auch gehalten! Für Märchengestalten, mehr nicht. Und dann sah ich sie. Aber das hatte ich Borgen ja schon erzählt. Falls ihr mir nicht glaubt, dann könnt ihr in das Dorf gehen und es euch selbst ansehen.“

Das wird wenig Sinn haben“, erklärte der Schmied mit besorgter Mine und einem tiefen Seufzer. „Sie machen Dreck, sie räumen auf.“

Eirik schaute ihn fragend an.

Was ich damit sagen will ist“, fuhr Magnus fort, „wenn Du vorhattest irgendwann zurückzugehen, um die Toten zu begraben, dann kannst Du Dir die Mühe sparen. Du wirst nichts vorfinden. Nicht einen Blutstropfen, nicht einen einzigen Krümel. Als ob das alles nie geschehen wäre. Sie verwischen ihre Spuren. Und sie gehen dabei äußerst gründlich vor. Und die Toten…“ Mitten im Satz hörte er auf weiterzusprechen. Was mit den Bewohnern des Dorfes geschehen sein würde, konnte und wollte er ihm jetzt nicht sagen.

Wahrlich keine guten Nachrichten. Ganz und gar nicht. Die sollten nicht dort sein.“ Borgen war etwas nervös und schüttelte ununterbrochen den Kopf.

Die sollten nicht dort sein“, wiederholte er eindringlich.

Also gut. Kommen wir zur Sache.“ Magnus klopfte mit beiden Händen auf seine Oberschenkel, als ginge es jetzt darum aufzubrechen. Und genaugenommen war es auch so eine Art Aufbruch.

Eirik, wir brauchen Deine Hilfe. Natürlich nur, wenn Du gewillt bist uns hilfreich zur Seite zu stehen.“

Ohne euch wäre ich wohl nicht mehr auf dieser Welt. Und ich hänge am Leben. Wie heißt es doch immer: ‚Eine Hand wäscht die andere’. Ihr habt mir geholfen, da ist es nur gerecht, wenn ich euch helfe.“

Gut. Wir möchten Dich darum bitten, eine Nachricht zu überbringen. Das klingt nach einer einfachen Aufgabe, wirst Du Dir vielleicht denken und vermutlich ist es das auch. Zudem ist es wichtig, dass sie so schnell wie möglich weitergegeben wird. Andererseits will ich Dich auch nicht drängen, zumal Du noch nicht völlig wiederhergestellt bist. Oh, Du kannst natürlich auch ablehnen.“

Eirik wollte gerade mit einem leichten Gähnen einwenden, dass er in keinem Fall ablehnen würde, doch noch bevor er auch nur ansatzweise etwas dazu sagen konnte, gebot ihm Magnus mit einer schlichten Geste Einhalt.

Nein, nein. Nicht so leichtfertig. Es hört sich leicht an. Dennoch könnte es gefährlich werden auf dem Weg. Aber Du scheinst eine äußerst robuste Natur zu haben. Und ich gehe einmal davon aus, Du weißt Dich zu verteidigen. Trotzdem, der Weg nach Mokkor ist weit und wer weiß schon, was auf dem Weg so alles passieren kann.“

Nach Mokkor!?“ Eirik war hell wach. Der Gedanke, in die große Stadt zu gehen, behagte ihm nicht wirklich. Aber die plötzlich zu Tage tretende unangenehme Überraschung in seinem Gesicht bemerkten die beiden anderen im fahlen Licht der Laterne zu seinem Glück nicht.

Ganz recht. Nach Mokkor. Aber vorher ist da noch etwas anderes.“ Der Schmied holte langsam ein Medaillon, welches an einer Kette um seinen Hals hing, hervor. Es zeigte zwei Erhebungen in einem Kreis.

Bitte“, warf Borgen nervös und mit leidvoller Mine ein. „Muss das denn wirklich sein? Ist es denn notwendig?“

Ja, ich denke schon. Er soll alles erfahren. Es ist wichtig, damit er weiß, warum es so dringend ist. Und nun schlucke Deine Bedenken hinunter, mein Freund. Schließlich ist es meine Entscheidung, wenn ich ihm das Zeichen gebe. Meine allein. Ich weiß, was ich tue und ich sehe wahrlich keine andere Möglichkeit.“ Magnus Worte waren harsch. Er hatte lange mit Borgen darüber diskutiert, jedes ‚Für’ und ‚Wider’ abgewogen. Dies war für ihn der einzige Weg. Schließlich wandte er sich wieder Eirik zu.

Bevor Du Dich endgültig entscheidest, möchte ich Dir“ und dabei reichte er ihm das Medaillon, „dieses Zeichen geben. Nimm es in beide Hände, lege Deine Daumen auf die kleinen Hügel, die Du dort siehst, schließe die Augen und entspann Dich. Es wird einen Moment dauern. Du brauchst nur ein wenig Geduld, aber dann wirst Du es sehen. Und hab keine Angst, es wird nicht wehtun. Zumindest nicht körperlich.“

Eirik nahm also das Medaillon und betrachtete es zunächst mit ein wenig Unwillen, da er die ganze Situation mit einem eher unwohligen Gefühl erlebte. Dennoch war er bereit, dem Bitten Folge zu leisten, neugierig darauf, was geschehen würde. Aber was es auch sein mochte, war er sich doch sicher, dass er Magnus hier vertrauen konnte und ihm keinerlei Gefahr drohte ohne dabei zu wissen, warum er derart sicher sein konnte diesem alten Mann zu vertrauen.

Es schien eine Ewigkeit zu vergehen. Nichts geschah. Das mochte auch daran liegen, dass er unbedingt erfahren wollte, was er – allein durch die Berührung des Medaillons auf die Weise, die Magnus von ihm einforderte – erfahren mochte. Erst, als er sich ganz darauf einließ, konnte er etwas sehen.

Verschwommen am Anfang, dann langsam klarer werdend waren Bilder auszumachen.

Landschaften zogen an ihm vorbei. Landschaften, die überaus großartig waren. Die Natur zeigte in diesen Bildern ihr bestes Aussehen, ihre Schönheit, ihre Lieblichkeit, ihre einzigartige Vollkommenheit in aller Unvollkommenheit: Sonnenauf- und -untergänge; von Nebel durchflutete Täler; Felder, die im strömenden Regen zu Sturzbächen mutierten; Bäume, deren Wipfel Spielbälle des Windes zu sein schienen; eine Herde Antilopen, die wild über die Steppe fegten; eine Schnecke, die sich langsam aber stetig auf ihrem Schleim den Weg voran ebnete. Das alles festgehalten in Momentaufnahmen. Augenblicklich wünschte er sich dort zu sein, Teil dieser einzigartigen Ansichten zu sein.

Der Ablauf der Bilderfolge wurde schneller und schneller und schließlich schienen sie miteinander zu verschmelzen, so dass die Landschaften begannen, sich zu bewegen. Und das, was er sich gerade noch gewünscht hatte, schien nun wahrhaftig zu werden, als würde er in diesem Augenblick selbst teil dieser Bilder und leibhaftig dabei sein. Er fing an, nicht nur einfach zu sehen, sondern hörte auch die Geräusche, die die entsprechenden und nun bewegten Ansichten mit sich brachten.

Er erschrak, als er den am Rande einer Klippe kauernden Elben sah. Dieser betrachtete das vor ihm liegende Tal ohne eine Regung seiner Gesichtszüge. Es war Eirik unmöglich zu entscheiden, ob es Neugier, Verwunderung oder Bewunderung der zu sehenden schönen Natur war oder ob es dort vielleicht etwas gab, welches die Betrachtung des vor ihm liegenden Landstrichs unabdingbar machte.

Es fiel ihm auf, dass er erst einmal in seinem Leben einen Elben gesehen hatte. Zudem war dieser Umstand schon eine Ewigkeit her und hatte auch nur einen kurzen Augenblick gedauert und dennoch hatte es ihn über alle Maßen beeindruckt. Elben waren sehr selten in diesen Tagen. Nicht etwa, dass sie scheu gewesen wären, ganz im Gegenteil. Sie waren ein stolzes und überaus gern gesehenes Volk und von angenehmer Geselligkeit. Sie zogen es aber, soweit er das wusste, vor für sich zu sein und hielten sich vorwiegend unter ihresgleichen auf. Irgendwo im Westen sollte es, so hatte man ihm dereinst erzählt, eine größere Ansiedlung der Elben geben und das es nicht einfach sei, dorthin zu gelangen. Eirik hatte ihn damals auf dem Weg zum Marktplatz fast umgerannt. Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke und Eirik hatte das Gefühl gehabt, dass der Elb ihm zunicken würde. Nur ein kleines kaum merkliches Nicken war es gewesen. Später war er sich nicht mehr so sicher, ob er es wirklich gesehen oder es sich nur eingebildet hatte.

Der Elb jetzt schaute unumwunden ins Tal. Während Eirik noch versuchte zu ergründen, was es dort außer der einzigartigen Landschaft noch zu sehen gab, verzerrten sich plötzlich die Gesichtszüge des Elben. Er stand halb auf, wankte ein wenig nach vorn und fiel dann kopfüber in die Tiefe. Ein Blick hinunter auf den zerschmetterten Körper ließ keinen Zweifel an seinem Tod aufkommen. Eirik schaute sich um. Weder konnte er jemanden sehen noch sagen, was zum Tod des Elben geführt hatte. War es der Sturz? War sein Leben schon kurz zuvor zu ende?

Dann sah er aus dem Gestrüpp zu seiner Linken drei Männer heraustreten. Drei Menschen, die mit großen Bogen bewaffnet zu sein schienen. Im ersten Moment wollte er fliehen, um nicht das gleiche Schicksal erleiden zu müssen. Aber dann stellte er zu seiner eigenen Beruhigung fest, dass sie ihn gar nicht wahrnahmen. Er hätte vor den schnellen Bögen dieser drei Schützen auch unmöglich weglaufen können. Einer der Männer ging zum Rand der Klippe und schaute hinunter. Er gab den beiden anderen ein Zeichen, dann verschwanden sie wieder in die Richtung aus der sie gekommen waren. Und obgleich das Geschehene nicht wirklich gerade stattgefunden hatte, erschien es Eirik so echt, dass ihm wahrhaftig ein Schauer über den Rücken lief. Aber es blieb ihm keine Zeit darüber weiterhin nachzudenken, denn schon folgte das nächste Ereignis. Eine Horde Zwerge stürzte mit wildem Geheul, die schweren Äxte schwingend, an ihm vorbei und wurde augenblicklich, nur zwei Schritte entfernt, von einer Gruppe Menschen, die in schweren Rüstungen steckten und ihre riesigen Schwerter schwangen, niedergestreckt.

Ein bewegtes Bild folgte nun dem nächsten und in Eiriks Kopf begann es sich zu drehen ob der Vielzahl der unterschiedlichen Szenen, die zunächst zusammenhanglos zu sein schienen. Doch dann wurde es klarer und klarer.

Am Anfang befand sich alles im wohligen Einklang. Das Leben gleitete – bildlich gesprochen – geradezu auf seichten Schwingen dahin. Doch dann geriet das Gleich- gewicht ins Wanken. Schuld an dieser Misere war dabei der Mensch. Er war es, wenn zunächst auch kaum merklich, dann aber in unaufhörlicher Weise, der sich immer weiter ausbreitete. Dabei drängte er alle anderen Rassen immer weiter weg.

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Busen rund und schön

Busen rund und schön

Busen – rund und schön-
sah ich an der Straße stehen.
War so rund und war so schön,
war vollkommen, konnt ich sehen.

Busen – rund und schön –
sah ich dann des Weges gehn.
Wippte hin und wippte her,
war so leicht, so gar nicht schwer.

Busen – rund und schön –
wollt mit mir nach Hause gehn.
War so zärtlich, war so lieb,
das es mich voll Wonne trieb.

Busen – rund und schön –
sah ich alsbald am Fahrstuhl stehn.
Fuhr hinauf, ich hinterher,
ich wollt sie, sie mich nochmehr.

Busen – rund und schön –
sah ich an meiner Türe stehn.
Ich schloß auf, sie ging hinein,
ach… was ist das Leben fein.

Busen – rund und schön –
ging ins Bad, ich konnts verstehen.
Sah sie dann durchs Schlüsselloch,
und mein Herz schlug poch, poch, poch.

Aber was ich dann dort sah,
ich hätt gewollt, es wär nicht wahr.
Dieser Busen, den ich mein,
war gar nicht rund und auch nicht fein.

Er war aus Kunststoff, nur aus Schaum,
ich schreckte auf aus meinem Traum.
Mit Schweiß bedeckt und völlig nass,
wie ich solche Träume hass.

Und die Moral von diesem Traum,
Traue nur einem Busen, der nicht aus Schaum.

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Auf dem Weg des Lebens

So wandere ich also auf meinem Weg des Lebens. Nicht stur vor mich hin – manchmal ist auch eine kleine Abzweigung dabei – aber im wesentlichen immer vorwärts. Manch einer begleitet mich auf meinem Weg. Der eine länger, die andere nicht ganz so lange Und immer wieder treffe ich auf weitere Menschenkinder. Nicht jedesmal eine gute Begegnung, aber doch in den meisten Fällen in irgendeiner Weise interessant. Und ich wandere still vor mich hin, als ich ganz plötzlich  SIE erblicke. Ein solch engelsgleiches Wesen, daß es mich fasziniert in ihren Bann zieht. Also trete ich zur Seite und verharre eine Weile, um sie näher zu betrachten. Ein flüchtiger Blick streift mich sanft und lässt mich erzittern. Ich spüre, wie mein Herz laut zu Pochen beginnt und mich in Unruhe versetzt. Ich erfreue mich an diesem wunderbaren Anblick und habe das Gefühl, ihr näher sein zu müssen. Meine Hand zum Gruß erhebend kommt ein flüchtiges ‚Hallo‘ über meine Lippen Doch sie scheint mich nicht zu hören. Ein weiteres Mal erhebe ich meine Stimme und… wieder nicht Also wage ich es und will auf sie zugehen. Aber etwas hält mich zurück. Eine Barriere gleich einer unsichtbaren Mauer, die zwischen uns liegt. Davon unbeeindruckt versuche ich diese zu umgehen. Es gelingt mir nicht, weder auf der einen, noch auf der anderen Seite… so sehr ich mich auch bemühe. Gleich einem aufgescheuchten Huhn laufe ich hin und her… suche diese Mauer zu überwinden, doch… so sehr ich mich auch anstrenge, es will und will mir nicht gelingen Also versuche ich mich darin, dieses Hinderniss zu untergraben, aber auch das wil mir nicht gelingen. Je tiefer ich auch grabe… endlos scheint sie in der Erde verwurzelt zu sein. Ich halte inne, um zu ihr zu schauen. Und jetzt bemerke ich, wie sie ihren Weg ändert und sich mehr und mehr von mir entfernt. Ich rufe ihr zu… schreie so laut es nur irgend geht, jedoch erhört sie mich einfach nicht Ich flehe zu Gott, er möge mir helfen, sie dazu bewegen von mir Kenntnis zu nehmen Doch auch hier scheitere ich Als letzten Versuch nehme ich Anlauf und will die Barriere mit roher Gewalt einreißen. Immer wieder laufe ich dagegen und hämmere mit den Fäusten auf sie ein… bis ich schließlich erschöpft und mit tränenüberfluteten Wangen auf die Knie sinke und schließlich aufgebe, während sie am Horizont entschwindet. Wieder zur Besinnung kommend, setze ich nach einer Weile der Ohnmacht meinen Weg fort und bemerke dabei, daß nicht nur SIE… nein, auch diese unsichtbare Mauer verschwunden zu sein scheint.

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